
Was gibt es Schöneres, als an einem heißen Sommertag im Schatten eines Baumes zu liegen? Die Grashalme wiegen sich sanft im Wind und kitzeln die Zehen. Eiswürfel klirren leise im Glas mit Zitronenlimonade und schenken einen willkommenen Kontrast zur flirrenden Hitze. Eine leichte Brise streichelt über die Haut, während in den Händen ein gutes Buch darauf wartet, seine Geschichte zu entfalten.
Solche Momente fühlen sich an wie kleine Inseln der Ruhe – kostbar, leicht und erfüllt von einer tiefen Zufriedenheit. Sie lassen den Alltag für einen Augenblick verblassen und tragen mich jedes Mal zurück in meine Kindheit in den österreichischen Alpen.
Damals läutete der Beginn der Sommerferien die für mich schönste Zeit des Jahres ein. Neun Wochen Freiheit. Neun Wochen voller Abenteuer. Lesen, baden, Eis essen, mit den anderen Kindern im Dorf spielen oder bis zum Abendessen draußen unterwegs sein. Die Tage schienen endlos und jeder einzelne versprach eine neue Entdeckung.
Schon als Kind war meine Neugier auf das Leben mein stärkster Antrieb. Mit wachen Augen beobachtete ich Menschen, Tiere und die Natur. Besonders liebte ich es, mir einen ruhigen Beobachtungsposten zu suchen, die Szenen aus sicherer Entfernung auf mich wirken zu lassen und mir Fragen über das Leben zu stellen. Wie tanzen Schmetterlinge von Blüte zu Blüte? Wie klingt der Sommer, wenn man einen Moment ganz still wird und den eigenen Atem anhält? Welche Geschichten verbergen sich hinter den bekannten Gesichtern der Dorfbewohner? Damals wusste ich noch nicht, dass genau diese Augenblicke einmal zu meinem größten Schatz werden würden.

Vielleicht ist genau das die schönste Einladung für diesen Sommer: die Welt wieder mit den staunenden Augen eines Kindes zu betrachten. Schenken Sie sich Zeit, langsam zu werden und innezuhalten. Gehen Sie auf Entdeckungsreise – bewaffnet mit Ihrem Schreibbuch und Ihrem Lieblingsstift. Lauschen Sie dem Zirpen der Grillen. Atmen Sie den Duft von Sonnencreme, warmem Waldboden oder frisch gemähtem Gras ein. Beobachten Sie das sanfte Wogen der Blätter im Wind und lassen Sie Ihr Eis genüsslich auf der Zunge zergehen.
Und dann: Fotografieren Sie mit Worten. Dabei geht weniger darum, möglichst genau zu beschreiben, was Sie sehen, sondern darum, die Seele eines Augenblicks einzufangen – so lebendig, dass beim Lesen Bilder entstehen, Geräusche hörbar werden, Düfte aufsteigen und Gefühle spürbar werden. Als hätten Sie einen flüchtigen Moment mit Worten eingerahmt und für immer bewahrt.

Ich lade Sie herzlich ein: Ziehen Sie los mit offenem Herzen, wachen Sinnen und Ihrem Schreibbuch. Sammeln Sie Ihre Sommermomente, bevor sie wie Sand durch die Finger gleiten. Halten Sie sie in Worten fest und schenken Sie sich selbst – und vielleicht auch anderen – Erinnerungen, die noch lange nach dem Sommer nachklingen.
So fotografieren Sie mit Worten

Suchen Sie sich einen Ort oder einen Augenblick, der Sie anspricht und bleiben Sie stehen; verweilen Sie. Schauen Sie, als würden Sie den Moment zum ersten Mal erleben.
Öffnen Sie sich für alle Sinne: Was fällt Ihnen auf? Was sehen und hören Sie? Welche kleinen Details würden andere vielleicht übersehen? Welche Düfte liegen in der Luft? Wie fühlt sich die Umgebung auf Ihrer Haut an? Gibt es einen Geschmack, der zu diesem Moment gehört? Je mehr Sinne Sie einbeziehen, desto lebendiger wird Ihr Wortbild.
Spüren Sie nach was dieser Augenblick in Ihnen auslöst: Freude, Sehnsucht, Geborgenheit, Staunen oder vielleicht eine Erinnerung? Nicht nur der Moment selbst ist wichtig, sondern auch das, was er in Ihnen bewegt.
Greifen Sie zu Stift und Papier und notieren Sie Wörter, Sätze oder kleine Beobachtungen, solange der Eindruck frisch ist. Schreiben Sie, ohne zu bewerten oder nach perfekten Formulierungen zu suchen. Halten Sie den Augenblick fest, bevor er weiterzieht. Verbinden Sie Ihre Beobachtungen mit Ihren Gefühlen. Beschreiben Sie nicht nur den Sonnenuntergang, sondern lassen Sie das goldene Licht über die Haut wandern, den Abendwind durch die Bäume streichen und die Stille hörbar werden.

Jeder festgehaltene Augenblick ist wie ein Foto in einem besonderen Album. Mit der Zeit entsteht so eine Sammlung von Erinnerungen, die nicht nur zeigen, wie etwas aussah, sondern auch, welche Gefühle es in Ihren ausgelöst hat. Denn genau darin liegt die Kraft des Fotografierens mit Worten: Es bewahrt nicht nur Bilder, sondern auch das Leben, das in ihnen steckt.
Welcher Ort inspiriert Sie im Sommer am meisten zum Fotografieren?
geschrieben von: Teresa Schmid
Bildquelle „Baum im Sonnenschein“: Teresa Schmid
